Der Reiter

Lenormand Karten Deutung der ReiterBeschreibung:

Was sehen wir? Einen Herrn zu Ross, gekleidet im Rokokostiel. Die Mode zu Zeiten der Melle Lenormand. Die typische Kniebundhose (Culotte) und dazu eine lange Jacke bis zu den Knien, den „Rock“ (Justaucorps).  Sein Kopf schmückt eine Perücke mit Zopf und der Dreispitz (Hut), der ein Privileg der oberen Stände war. Seine Kleidung ist goldfarben, ein Hinweis dass er zum Hof des Königs gehört haben könnte. Das niedere Volk trug praktischerweise schwarz und nicht so prunkvolle, schmutzanfällige Farben. Das Pferd ist von edlem Blut und trägt verziertes Zaumzeug. Die Pferdedecke ist passend im goldfarbenen Ton. Er trägt zivil!

Das Gebäude im Hintergrund könnte ein kleines Schloss sein, welches als Residenz einem Herzog oder König diente. Es könnte genauso gut ein großes Herrenhaus oder Gutshaus sein, welches von Landadeligen oder Gutsherren bewohnt wurde. Der Meilenstein im Vordergrund zeigt die große Reichweite des sehr gepflegt wirkenden Landbesitzes.

Zusammen genommen können wir sagen, dass es sich bei dem Herren auf dem Pferd um eine Person handelt, die entweder zum Adel gehörte, Gutsherr war, oder zumindest dem wohlhabenden Bürgertum zu sortiert werden kann.

Das Pferd ist im gemächlichen Schritt, der Reiter wirkt entspannt. Es ist keine Eile angezeigt. Gepäck wurde nicht mitgenommen. Das Wetter wirkt sonnig bis heiter. Die Jahreszeit liegt zwischen späten Frühling bis frühen Sommer. Die Helligkeit und der Schatten des Pferdes deuten den Vormittag an.

Was können wir nun aus dieser Betrachtung schlussfolgern!

Dieser Herr macht sich vermutlich nach dem Frühstück am frühen Tag auf den Weg. Er ist besonders fein herausgeputzt, in Gold! Sicher will er damit seinen Status unterstreichen und Eindruck gewinnen. Gepäck hat er keines dabei, weil er wohl die Absicht hat wieder zurückzukehren. Da er eine Distanz überwinden möchte, die zu Fuß beschwerlich ist, hat er aufgesattelt. Er reitet also in die nähere Umgebung, nicht weiter als eine halbe Tagesreise. Er muss keine größeren Besorgungen machen, sonst würde er die Kutsche nehmen.

Was könnte er also vorhaben? Hat er einen Auftrag, ein Anliegen oder macht er der Freude wegen einen kleinen ziellosen Ausritt/Ausflug? Ist er Geschäftlich, oder privat unterwegs? Was auch immer genau sein Grund für den Ausritt ist, zu Melle Lenormand Zeiten wurde das Verlassen des Hauses immer genutzt um Neues zu erfahren, eigene Belange zu kommunizieren oder Nachrichten und Botschaften aus zu tauschen. Der rege persönliche Kontakt nach außen war in dieser Zeit entscheidend!

Telefon, Internet, Fernsehen oder Radio gab es noch nicht. Kommunikationsmittel Nummer 1 war also das persönlich geführte Gespräch! Die wenigen Nachrichtenzeitungen die es gab, erschienen höchstens wöchentlich in geringer Auflage und unterlagen der Zensurkommission. Diese gewährleistete, insbesondere im Hinblick auf Berichte zu internationalen Angelegenheiten und Ereignissen, dass nichts veröffentlicht wurde, was den Auffassungen und Interessen der Regierung in Paris zuwiderlief. Breite Teile der Bevölkerung waren nicht in der Lage die Zeitungen zu lesen, weil sie Analphabeten waren. Nur die oberen Stände waren gut ausgebildet und mehrsprachig.

Wer bestens Informiert sein oder persönliches Vorankommen sicherstellen wollte, war also auf gute Außenkontakte angewiesen. Deswegen wurde zu Zeiten der Madame Lenormand das persönliche Gespräch gepflegt. Hierbei wurden immer wichtige Neuigkeiten, Nachrichten und Botschaften übermitteln, manchmal  auch nur der alltägliche Klatsch und Tratsch verbreitet. Wer beweglich war, zur gehobenen Gesellschaft gehörte oder vielschichtige Kontakt pflegte, war gut informiert. Wer kein Pferd besaß und ehr zum niederen Volk gehörte, bekam oft nichts mit von der großen weiten Welt, was die Chancen für ein besseres Leben drastisch verschlechterte.

Zu einem ausgefüllten, reichhaltigen Leben gehört eben auch der Informationsfluss, den man nur über Außenkontakt erhält, der einem letztlich erst die mannigfaltigen Möglichkeiten eröffnet. Daher rührt auch der Spruch: „Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“. Früher war das Pferd „das“ Fortbewegungsmittel. Wer eins besaß war Beweglich und konnte die Welt entdecken. Bekam dadurch viel mehr Kontakte und erst dadurch eröffneten sich ungeahnte Perspektiven. Das war den unteren Schichten meist nicht gegeben.

Was also symbolisiert der privilegiert gekleidete Reiter der sich auf den Weg in die große weite Welt macht?

Zum einen kommt er selber aus einem privilegierten und gut Informierten Kreis. Hat also selber immer Neuigkeiten, Nachrichten oder Botschaften im Gepäck. Was er zu erzählen hat, wird andere interessieren. Zum anderen macht er sich selber auf den Weg um Neues zu erfahren, seinen Horizont zu erweitern und um seine Belange zu kommunizieren. Er symbolisiert die Möglichkeit an Informationen heran zu kommen und den Austausch von Nachrichten und Botschaften.

Nach dieser intensiven Betrachtung sind wir in der Lage den Sinngehalt dieser Karte zu erfassen. Um sich die Sache leicht zu machen, sollten wir zu vorerst immer ein paar treffende Schlagworte für die jeweilige Karte finden. Dann gehen wir weiter ins Detail. Damit du auch mit dem Kopf mitarbeitest, werde ich ein Stichwort vorgeben und du versuchst, bevor du dir das Ergebnis anschaust, selber zu überlegen was die Antwort ist.

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